Der Unterschied zwischen Ente und Huhn

Der Unterschied zwischen Ente und Huhn

Ich stand vor meinem Vater und war ein wenig irritiert. Gerade hatte er mir einen Rat gegeben, den ich so nicht erwartet hatte. Aber er würde mein Leben prägen. Auch wenn das ich damals noch nicht wusste und es eine Weile dauern würde, bis er tatsächlich wirken würde.

Mein Vater war schon eine Weile sehr krank und musste sich im Krankenhaus einigen ermüdenden und auch schmerzhaften Behandlungen unterziehen. Ich besuchte ihn dort, frisch von der Arbeit kommend und mit der festen Absicht, ihm eine Stütze zu sein, für ihn in seiner schwierigen Zeit da zu sein. Aber kaum angekommen jammerte ich stattdessen über die Arbeit. Ich war sehr unzufrieden, haderte mit meinen Aufgaben, konnte kein gutes Haar an meinem Chef lassen und sah keine Zukunft in dem Betrieb. Dennoch zögerte ich, Änderungen zuzulassen, hielt lieber aus und arbeitete in meinem Job weiter. Und war frustriert. All das schüttete ich an diesem Nachmittag über meinen Vater aus.

Mein Vater sah mich auf einem Stuhl sitzend müde an, lächelte und sagte nur:

„Sei doch keine Ente, wenn Du ein Huhn bist.“

Nicht mehr. Das war typisch für meinen Vater, der nicht viel erklärte, sondern nur Impulse setzte. Wie im Karate, unserem gemeinsamen Sport, den wir da schon Jahrzehnte zusammen übten.

Ich war also irritiert.

Aber als sich nach einer Weile diese Antwort setzte und ich erkannte, was hinter diesem Rat steckte, kündigte ich meine Arbeitsstelle und machte mich selbstständig. Mein Vater durfte meine Erkenntnis daraus und diesen für mich mutigen Schritt leider nicht mehr erleben – er starb nicht lange nach dem Gespräch.

Aber ich bin mir sicher, er ahnte, wie sehr er mir geholfen hatte.

Und war ein Anstoß, den ich die letzten zwei Jahrzehnte in meinem Herzen trug. Und nun, in dieser Ausbildung, wurde mir klar, wie dieser Satz wirkte – und wie falsch es gewesen wäre, mehr zu sagen.

Ein Satz – ein perfektes Coaching.